01 / ZU VIELE IDEEN
Ich konnte das Produkt schon sehen.
Nur bauen konnte ich es nicht.
Um 2010 hat mich schon wahnsinnig fasziniert, was man mit dem Internet alles machen konnte. E-Commerce, neue Geschäftsmodelle, überall Möglichkeiten. Ich dachte ständig: Das müsste doch besser gehen. Oder ganz anders.
Ich wollte mit Machine Learning bessere Kreditentscheidungen treffen. Ich wollte einen Prediction Market bauen, also etwas, das man heute mit Polymarket vergleichen würde. Diese Produkte konnte ich mir ziemlich genau vorstellen.
Dann kam der Teil, für den ich andere Menschen brauchte. Idee erklären. Die richtigen Leute finden. Abstimmen. Warten. Noch mal erklären. Um jeden Versuch herum brauchte ich erst mal eine kleine Organisation.
Ich baue gern mit Menschen. Mich hat genervt, dass ich ein Team brauchte, bevor ich überhaupt herausfinden konnte, ob meine Idee etwas taugt. Manchmal wollte ich mich einfach hinsetzen, einem Gedanken folgen und schauen, was daraus wird.
So viel, das ich ausprobieren wollte.
Und so viel zwischen mir
und dem Ausprobieren.
02 / ACH KRASS. DAS GEHT JETZT.
Ich spreche es aus.
Dann kann ich es anklicken.
Deshalb habe ich mich so in Astra und Codex reingefuchst. Ich beschreibe etwas per Sprachnachricht. Die Agents legen los. Ich schaue drauf und sage: Ja, genau das. Der Teil noch mal anders. Verständlicher. Mehr Persönlichkeit.
Und dann verändert es sich. Während ich bequem vor meinem Rechner sitze. Etwas, das gerade nur in meinem Kopf war, wird eine Webseite, die ich benutzen kann. Auf diese kreative Freiheit habe ich ziemlich lange gewartet.
Die Konsolen, die Tools, die parallel arbeitenden Agents: Das macht für mich den Unterschied. Sie können an verschiedenen Teilen arbeiten, Code schreiben, Dateien bearbeiten und Dinge prüfen. Ich behalte die Idee im Blick und gebe Feedback. Der Weg ist kurz genug, dass der Gedanke unterwegs nicht verloren geht.
Natürlich entstehen dabei auch Dinge, die noch nicht funktionieren. Du schaust gerade auf eines der Projekte, an denen ich weiterfeile. Aber ich kann durchs Bauen lernen. In meinem Tempo, mit meinem Geschmack. Das ist für mich schon ziemlich irre.
03 / IRGENDWER MUSS DAS DING FLIEGEN
Geisteskranke Triebwerke.
Hände bitte ans Steuer.
Ich übernehme die Steuerung.Rosi die Verpflegung.
Das Raumschiff trifft ziemlich gut, wie sich das gerade anfühlt. Da steht unfassbar viel Leistung bereit. Wie gut das funktioniert, hängt aktuell aber noch sehr vom Piloten ab.
Was will ich bauen? Für wen wäre das interessant? Was muss der Agent wissen? Habe ich das Wesentliche erklärt oder einfach gehofft, er könnte Gedanken lesen? Und merke ich, wenn etwas beeindruckend aussieht, aber am eigentlichen Ziel vorbeigeht?
Ich lerne gerade: Gute Prompts brauchen auch klare Gedanken. Je besser ich selbst verstehe, was ich will, desto besser kann ich steuern. Aus einer unklaren Idee wird sonst erstaunlich schnell ein sehr aufwendiges Missverständnis.
Was soll entstehen, und für wen?
Was setze ich als selbstverständlich voraus?
Würde ich das selbst gern benutzen?
Die KI bringt den Schub.
Das Ziel brauche ich trotzdem.
Diese letzte Runde ist mir wichtig. Der holprige Satz. Der Button, den man nicht sofort versteht. Die Animation, die fast gut ist. Ich will noch mal hinschauen, bis es sich durchdacht anfühlt. Rosi bringt vor allem Anwesenheit ein. Allerdings auf sehr hohem Niveau.
04 / WER JETZT ALLES BAUEN KANN
Eine gute Idee verdient
wenigstens einen Versuch.
Daran muss ich immer wieder denken: Wie viele Menschen haben etwas im Kopf, das richtig gut wäre, wenn sie es nur bauen könnten? Ein kleines Tool. Eine sehr spezielle Webseite. Eine Lösung für ein Problem, das sie selbst besser verstehen als alle anderen.
Mehr davon können jetzt loslegen: mit einem Rechner, guten KI-Werkzeugen und der Lust, sich reinzudenken. Man sollte keine Entwicklungsabteilung finanzieren müssen, um herauszufinden, ob die eigene Idee jemandem hilft.
Klar, Geld, Zeit, Wissen und Zugang sind weiter unterschiedlich verteilt. Ein KI-Abo löst das nicht einfach auf. Aber ich merke selbst, wie sehr sich der Ausgangspunkt verändert hat. Diesen ersten Moment von „Moment mal, das habe ich gerade selbst gebaut“ wünsche ich ziemlich vielen Menschen.
05 / WAS ICH SELBST MITBRINGEN MUSS
Es wird immer mehr Software geben.
Welche davon werden wir lieben?
Meine Vermutung: Aus Gedanken Software zu machen wird weiter einfacher und günstiger. Mich beschäftigt deshalb immer mehr, was überhaupt entstehen sollte. Wofür würde ich mich so interessieren, dass ich auch nach der ersten Version noch dranbleibe?
Bei mir ist das ein Persönlichkeitstest, der neugierig auf einen selbst macht. Eine Dackelfreundin zum Reden, wenn man etwas Gesellschaft gebrauchen kann. Eine Plattform, auf der man einen guten Prompt teilt und jemand anderem einen Vorsprung gibt. Kleine menschliche Gründe, etwas richtig gut zu bauen.
Ich mag Produkte, bei denen man merkt, dass jemandem etwas daran liegt. An der Sprache. An der Reaktion. An diesem einen Detail, über das man kurz grinst. Mit KI kann ich daran selbst arbeiten. Genau dafür will ich diese neue Freiheit nutzen.
Liebe. Passion. KI.
Und die Lust,
noch eine Runde zu drehen.
Sich für den Menschen auf der anderen Seite interessieren.
Neugierig bleiben, wenn die erste Version schon läuft.
Das Ding bauen, das einem nicht aus dem Kopf geht.
Hier soll kein Museum für schlaue Demos entstehen. Ich will Dinge bauen, zu denen man gern zurückkommt. Nützlich, persönlich, ein bisschen unerwartet. Sehr gern mit ausgezeichneter Dackelenergie.
06 / WIE LANGE SITZEN WIR NOCH AM STEUER?
Und wenn das Raumschiff
selbst fliegen lernt?
Ich stecke gerade viel Energie darin, diese Systeme gut steuern zu lernen. Das macht mir Spaß. Gleichzeitig frage ich mich natürlich, wie lange sie diese Steuerung von mir noch brauchen werden.
Wenn KI besser plant, Tools benutzt und die eigenen Ergebnisse beurteilt, wird vielleicht auch vieles automatisch, das ich gerade begeistert lerne. Faszinierend. Und ein etwas schräger Gedanke, während man sich so richtig reinkniet.
MEINE VERMUTUNG, MEHR NICHT
2027? Vielleicht.
Wissen tue ich es nicht.
Ich kann mir vorstellen, dass OpenAI die Erfahrungen aus Codex, Astra und anderen Systemen zu etwas viel Allgemeinerem zusammenführt. Ob daraus AGI wird und wann, ist offen. Das ist mein Bauchgefühl, kein Release-Datum.
Die Frage dahinter ist für mich persönlich: Wenn wir weniger Zeit brauchen, um Dinge umzusetzen, womit wollen wir diese Zeit eigentlich verbringen? Wen wollen wir um uns haben? Was macht uns dann noch neugierig?
Ich habe das nicht zu Ende beantwortet. Jetzt will ich erst mal dieses Zeitfenster nutzen. Die Projekte bauen, die mir im Kopf herumgehen. Menschen treffen, die für ihre Ideen brennen. Und zwischendurch auch mal vom Bildschirm hochschauen.
07 / ROSI HAT DAS SCHON DURCHDACHT
Etwas Gutes bauen.
Dann rausgehen.
Mit dem Hund.
Rosis langfristige Strategie ist erfreulich klar: Sonne auf den Bauch, gute Gesellschaft, Leberwurst. Eher überschaubares Interesse an der Software-Roadmap.
Ich glaube, sie hat einen Punkt. Ich will nutzen, was jetzt möglich ist, und Freude daran haben. Lange genug Ideen mit mir herumgetragen. Bauen wir ein paar davon.
In diesem spirituellen Sinne:
Eine gute Idee. Ein bisschen Herz. Schauen wir, was wir draus machen.

Sebastian Diemer

